ANDALUSIEN 2009

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Eine Art Vorwort ...

 

"Andalusien" hatte immer schon einen exotischen, verlockenden Klang. Der Wunsch, dieses schöne Land tatsächlich zu sehen, wurde wohl durch die Begegnung mit der Schönheit von Santa Maria La Blanca in Toledo im letzten Jahr geweckt.
 

Geplant haben wir die Reise im Spätherbst 2008. Wichtigste Frage war, ob wir die Miete im vorgesehenen Quartier "El Tesorillo II" bei Arcos de la Frontera würden unterbrechen können. Nachdem diese Frage in unserem Sinne positiv geklärt war, konnten wir die Flüge, die anderen Hotels und den Mietwagen buchen. Hier hat alles gut geklappt; dass die Hotelzustellbetten für einen großen Erwachsenen zu kurz sind, war ein Umstand, der misslich, aber überbrückbar war.

 

Als wichtige Ergebnisse unserer Fahrt sollte man zwei Punkte ansprechen: Erstens waren wir im Grunde überall zu kurze Zeit; man bräuchte an einem Ort mindestens einen Tag, um z. B. den unterschiedlichen Sonnenstand wahrnehmen zu können, in Spanien auch, um alles in geöffnetem Zustand vorzufinden; so trafen wir manches nur im Siesta-Schlaf an. Wir haben also in diesen zwei Wochen nur erste Eindrücke sammeln können, haben etwas an der Oberfläche gekratzt, nichts wirklich gründlich kennen gelernt. Das zweite wichtige Ergebnis: Andalusien bietet eine überraschend schöne Landschaft, in der man auch bewusst wandern sollte - und dazu fehlte wieder die Zeit, da wir ja erst einmal mit den großen Namen (Granada, Cordoba, Sevilla ...) etwas verbinden wollten.

 

Ja, große Namen! Welcher ist der größte? Darauf gibt es keine uns befriedigende Antwort, da jede der drei "großen" Städte einen ganz anderen Charakter hat. Der Kalifensitz Cordoba beeindruckte durch seine Mezquita. Die Kathedrale in ihr kam mir weniger als Fremdkörper, sondern als Ausdruck eines bestimmten Geistes vor: In diesem Halbdunkel des überwundenen Unglaubens soll das wahre Licht aufscheinen! Außerhalb der Mezquita wirkte Cordoba durch seine touristisch-studentisch geprägte Atmosphäre. Anders Granada. Dort pulsierte in großer Enge ein gewaltiges Leben - und herausgehoben die beiden Hügel des Albaicin und der Alhambra, der Hügel des Schauens und der des Seins. Und die dritte, Sevilla, die flutende Großstadt, in deren Meer wir erst an der Oberfläche genippt haben.

 

Welche besonderen Eindrücke haben wir nun gewonnen?

Die Vorgeschichte begegnete uns in der Höhle Cueva de la Pileta und wäre uns in den Megalithgräbern von Antequera begegnet, wenn diese noch offen gewesen wären. Außerdem verfügen die Museen in Cadiz, Sevilla und Cordoba jeweils über Vorgeschichtsabteilungen.

Überraschend war die Begegnung mit dem reichen phönizischen/punischen Erbe im Museum von Cadiz.

Häufig war die Begegnung mit Römischem: Hier sahen wir zwei größere Stadtanlagen in Italica und in Baelo Claudia, wobei in beiden Städten nur - durchaus beachtliche - Teile zu sehen sind: in Italica schöne Mosaiken noch an Ort und Stelle, dazu ein Theater und ein massiges Amphitheater, in Baelo ebenfalls ein Theater, aber vor allem die Reste einer antiken Fischfabrik. In Acinipo (Ronda la Vieja) blieb uns nur die Zeit, das Theater kurz in Augenschein zu nehmen; wie reich die sonstigen Reste sind, blieb uns verschlossen. Zu diesen Städten der Lebenden kam in Carmona noch die Nekropole, vor allem mit dem Grab der Servilia.
Neben den Bauzeugnissen gab es Römisches in den wichtigen Museen: Italica wird vor allem in Sevilla dokumentiert, das Museum in Cordoba ist weitgehend mit Funden aus dem Stadtbereich bestückt, die Funde von Baelo Claudia finden sich in Cadiz, und in Carmona zeigt am Rande der Nekropole eine kleines, aber feines Museum römische Begräbnissitten.

Das Maurische begegnete uns zunächst in Medina Azahara, wobei der Eindruck dort sehr fragmentarisch bleibt, was auch nicht verwundert, wenn man erfährt, dass für Prunkbauten wie etwa den Alcazar in Sevilla Medina Azahara geplündert wurde. Die authentische Begegnung erfolgte dann in der Mezquita von Cordoba. Zwar auch authentisch, aber eigentlich schon aus einer überlebten Zeit, weil unter kastilischer Oberhoheit, war dann der Nasridenpalast der Alhambra; und nicht mehr authentisch, weil vom christlichen König beauftragt, war dann der mit dem Nasridenpalast vergleichbare Alcazar von Sevilla.

Als frühestes großes christliches Bauwerk lernten wir die Kathedrale von Sevilla kennen, einen Riesenbau mit einer Überfülle an kostbarer Ausstattung. Die Kathedralen von Cordoba und Granada folgten erst deutlich später, wobei Granada sogar mit der Peterskirche in Rom in Konkurrenz zu stehen scheint, wie das auffallende Schriftband verrät. Auch andere Kathedralen wie etwa die von Jaen oder von Baeza stammen aus der Renaissance.

Von Renaissancebauten bestimmt sind die Ortsbilder von Baeza und Ubeda; ein anderes sehr geschlossenes Ortsbild war das von Carmona.

Spanische Malerei - in etwas systematischerer Anordnung - sahen wir vor allem in zwei Museen: in Sevilla im Museo de Bellas Artes und im Museum von Cadiz. Die eine Erfahrung war die Wahrnehmung großartiger Werke, von denen man hierzulande keine Ahnung hat, wie z. B. die von Zurbaran, die andere war die, dass hierzulande bekannte Maler wie etwa Murillo bei uns nur in einem kleinen Ausschnitt ihres Werkes beachtet werden. Klar, dass in den meisten Kirchen noch weitere, vermutlich auch wichtige Werke zu bestaunen wären. Vom großen Meister Goya sahen wir nur zwei Werke, im Oratorio de Santa Cueva in Cadiz sein Abendmahl und in Sevilla die beiden Ortsheiligen Justa und Rufina.

Besonders erwähnenswert ist die Camera Obscura in der Torre Tavira von Cadiz, da sie für uns eine völlig neue Erfahrung darstellte: eine Stadtführung auf einer gestochen scharfen Leinwand, die wie ein Diavortrag wirkt, auf dessen Dias sich die Autos oder Menschen bewegen ...