ANDALUSIEN 2009

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Sevilla: Casa de Pilatos

Die Casa de Pilatos: nach Baedeker "Sevillas prächtigster Stadtpalast". 
Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Palast vom königlichen Statthalter Pedro Enriquez und Catalina de Ribera begonnen und vor allem von deren Sohn Fadrique Enriquez de Ribera ausgebaut. Dieser Fadrique hatte bei seiner Wallfahrt nach Jerusalem festgestellt, dass die Entfernung des Praetoriums, in dem Pilatus das Verfahren gegen Jesus geführt hatte, von Golgotha so weit entfernt war wie sein Palast in Sevilla von einem Feldkreuz hier, der Cruz del Campo. Also sah er in seinem Palast den Beginn eines Kreuzwegs; deshalb gibt es hier den "Saal des Prätors" und die "Kapelle der Geißelung". Fadrique ließ den Palast auch mit Kunstwerken aus Genua, etwa dem Delphinbrunnen, ausstatten. Sein Neffe Per Afan trug weiter zur Verschönerung bei, etwa durch den Januskopf auf dem Brunnen. Da Mitglieder der Familie Vizekönige in Neapel waren, konnten sie sich in Italien als Kunstsammler in Konkurrenz zu Cosimo de Medici oder Kardinal Farnese betätigen. Heute gehört der Palast der Familie Medinaceli, die auf ihrer Homepage auch die Casa de Pilatos vorstellen.

Von der Straße her ahnt man noch nicht, welche Kostbarkeit sich hinter der Fassade verbirgt.

     

Nach dem Eintritt gelangt man in die Arkaden, die den Haupthof umgeben; wie man sieht, ein malerischer Ort.

        

Besondere Schmuckstücke sind der Delphinbrunnen (etwa 1530 vom Genueser Antonio Maria d'Aprile) und die vier Götterstatuen in den Ecken, vor allem die Minerva. Der Januskopf wurde erst 1570 unter Per Afan de Ribera durch den Neapolitaner Benvenuto Tortello auf den Brunnen gesetzt.

                       

Der zentrale Arkadenhof wurde "auf quadratischem Grundriss in Proportionen der Renaissance doppelgeschossig arkadiert, doch im traditionell spanischen Geschmack des Mudejar mit Stuckschnitt und Azulejos dekoriert". (Schomann)

                 

Eine kleine Auswahl der Azulejos: Sie wirken zunächst gleich, sind aber raffiniert unterschiedlich. In ihrer Mitte die Familienwappen von Enriquez und Ribera.

              

Im Arkadengang sind 24 Büsten antiker Größen angebracht; sie sollen die Kontinuität zwischen dem antiken Rom und der Herrschaft Karls V. zeigen.

           

Die inneren Schönheiten müssen erst aus dem Halbdunkel heraustreten.

        

Der Saal des Prätors, eine Anspielung an das Praetorium des Pilatus.

     

Die Kapelle der Geißelung verfügt sogar über eine Geißelsäule.

  

Auch der Arkadengang des Obergeschosses verrät die Hochschätzung der klassisch-römischen Antike: Man findet dort Horaz, Vergil, Cicero ...
Im Obergeschoss wird man auch durch die Palasträume geführt; dort herrscht aber striktes Photographierverbot.

                

Auch die Gärten dienen musealen Zwecken. Im Großen Garten baute der neapolitaner Architekt Benvenuto Tortello, um die bestehende Substanz möglichst wenig zu schädigen, nach 1568 einen neuen Palast nach Art spätrömischer Paläste, nur nicht mit Blick in die freie Landschaft, sondern in den Garten.

                    

Eine Grotte gehörte damals zur italienisch-schicken Ausstattung.

  

Auch in den Räumen vor dem Kleinen Garten und in ihm sind antike Fundstücke, wie etwa der etwas durchlöcherte Gnomon, d. h. der Zeiger einer Sonnenuhr, ausgestellt. Schwerarbeit für den Photographen!