ANDALUSIEN 2009

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Sevilla: Kathedrale

Die Kathedrale von Sevilla hat eine ähnlich Baugeschichte wie die Mezquita-Catedral von Cordoba. Auch hier errichteten die Westgoten über einem römischen Tempel eine Kirche, die so Baedeker, "unter den Mauren lange unangetastet blieb." 1172 wurde sie durch die Große Moschee ersetzt, von der heute noch der Orangenhof und ein Teil der Giralda erhalten blieb. Diese Moschee wurde nach 1248, nach der Eroberung Sevillas, als Kathedrale genutzt, wurde aber durch verschiedene Erdbeben so geschädigt, dass König Enrique II. und das Domkapitel 1388 den Bau der neuen Kathedrale beschloss. Ab 1402 begann man von Westen her, 1433 von Osten mit dem Bau, der 1519 mit der Erneuerung der eingestürzten Vierungskuppel abgeschlossen wurde. Die Westfassade wurde erst 1877 - 1898 durch Ricardo Bellver bildnerisch abgeschlossen, neugotisch sind auch die die Portale der Querhäuser. - Die Kathedrale von Sevilla ist also etwa 100 Jahre älter als die von Cordoba, ersetzt die ganze Fläche der alten Mezquita, während die von Cordoba die alte Mezquita praktisch aufreißt, und das Minarett steht nicht in der nördlichen Hofwand wie in Cordoba, sondern auf dem Nordosteck der alten Mezquita.

Die Besichtigung umrundet zunächst die Kathedrale bis zur Puerta del Perdon, beginnt am Südportal die Betrachtung des Inneren, steigt auf die Giralda, setzt dann die Betrachtung des Inneren fort, gelangt danach in den Orangenhof, um schließlich die Westfassade im schönen Abendlicht zu bewundern.

Südseite der Kathedrale

        

Die Ostseite der Kathedrale mit dem Wappen Karls V. an der Chorwand; er hatte die Erneuerung der Capilla Real durch Martin Gainza und Hernan Ruiz II. als Grablege Ferdinands III. betrieben.

        

Das Minarett der alten Moschee wurde von Ahmad Ibn-Baso unter dem Kalifen Yusuf Abu Yaqub in dessen Todesjahr 1184 begonnen und unter dessen Sohn Yakub al-Mansur durch Ali al-Gomara 1198 beendet. Für die Zwillingsfenster verwendete man Kapitelle aus Medina Azahara. In maurischer Zeit schlossen - so Baedeker - vier vergoldete Kupferkugeln den Turm ab. 1356 wurde das Minarett als Glockenturm verändert und ab 1560 von Hernan Ruiz II. mit Glockenstube und gestufter Laterne erhöht. Darauf dreht sich seit 1568 eine von Luis de Vargas entworfene und von von Bartolome Morel gegossene Figur der Hl. Fides. Von "girar" = drehen heißt diese Figur "Giraldillo" und der ganze Turm "Giralda". Vor dem Südportal steht diese Figur, so dass man sie aus der Nähe betrachten kann.

              

Eingelagert in die Ostfront sind zwei Portale, die Puerta de las Campanillas mit der Darstellung des Einzugs in Jerusalem und die Puerta de los Palos mit der Anbetung der Könige, beides Werke des in Florenz geschulten Lothringers Michel Perrin, genannt Miguel Florentin, von 1520 - 1523.

                          

                    

Die Nordseite mit der Puerta del Perdon, der Gnadenpforte.

           

Man betritt die Kathedrale über das Portal des Südquerschiffs und gelangt in ein kleines Museum sevillanischer Werke.

        

Im Westen befindet sich die Kapelle des Hl. Isidor und - vor der Wand des Trascoro - das Grab des Kolumbus-Sohns Hernando.

     

     

Vor der Capilla de San Antonio umgeben die Apostel eine Pieta.

                    

Die Antoniuskapelle fungiert auch als Taufkapelle, was nicht nur der Taufstein verrät.

           

Am Ostende des Trascoro befindet sich die Orgel.

        

Die Capilla de Scalas dient als Beispiel für die museale Aufbereitung der Kathedrale. Nebenan ist die Jakobskapelle.

                 

Am Querschiff endet der Trascoro, in dem sich das Chorgestühl des Nufro Sanchez von 1478 befindet; dieser Raum ist durch ein Gitter des Kartäusermönchs Francisco de Salamanca von 1518 - 1532 abgeschlossen

                     

Der Bau der Kathedrale schien 1506 durch das Einsetzen des Schluss-Steins im Vierungsgewölbe durch Alonso Rodriguez beendet zu sein, aber der Vierungsturm brach 1511 ein. Nach einer von Fernando II. von Aragon einberufenen Konferenz der führenden Kathedralbaumeister wurde Juan Gil de Hontanon aus Salamanca hinzugezogen, der 1518 die Joche der Vierung und 1519 die Vierung selbst niedriger als vorher einwölbte.

Der Hochaltar ist - so Schomann - der größte Altar der Christenheit. Er wurde von dem Flamen Pierre Dancart 1482 begonnen, 1505 - 1564 durch Jorge Fernandez Aleman und seine Werkstatt fortgesetzt und 1550 - 1564 von Roque de Balduque und Juan Bautista Vazquez d. Ä. beendet. In 45 Bildern erzählt der Altar das Leben Mariae und Jesu.

                 

Auffallend bei der weiteren Ausstattung ist ein Vortragekreuz in Form der Giralda.

              

Auf einer 2,50 m breiten, sanft ansteigenden Rampe, auf der zwei Reiter nebeneinander Platz haben, steigt man in der Giralda empor zur Aussichtsplattform unter dem Glockenstuhl.

              

Panoramablick aus 70 Metern Höhe nach Süden ...

        

... nach Westen ...

     

... und nach Norden.

           

Gedränge auf  der Plattform.

     

Weiter geht die Besichtigung der Kathedrale; in die Capilla Real kommt man nicht hinein.

  

Einige Stücke aus der Schatzkammer, faszinierend die vergoldete Kanne.

                 

Die Sacristia Mayor, die Hauptsakristei, fungiert als Museumsraum.

           

Faszinierend aber ihre Kuppeldecke von Diego de Riano und Diego de Siloe (16. Jahrhundert), deren Weltgericht sich erst dem zweiten Blick erschließt.

                       

In der daneben liegenden Kelchsakristei (Sacristia de los Calices) findet man ein Goya-Gemälde, die beiden Ortsheiligen Justa und Rufina darstellend. Im Südquerschiff befindet sich das Grab des Christophorus Columbus, des Entdeckers von Amerika, das nach langen Irrfahrten hier in Sevilla gelandet ist. "Jüngst durchgeführte DNA-Analysen der Knochen haben ergeben, dass tatsächlich die Gebeine von Kolumbus im Sarg liegen." (Baedeker)

              

Durch die Puerta del Lagarto, benannt nach dem dort hängenden Krokodil, die noch den Vorgängerbau bezeugt, gelangt man in den Orangenhof.

              

Die Seitenportale der Westfassade (Taufe und Weihnacht) sind noch älteren Datums und stammen von Pedro Millan und Lorenzo Mercadante (so Baedeker; Schomann: Mercandente) aus dem 15. Jahrhundert. Das Mittelportal mit der Himmelfahrt Mariens ist ein Werk des späten 19. Jahrhunderts von Ricardo Bellver (1877 - 1898).

              

        

Wir nehmen Abschied von diesem überreichen Gebäude.